Der Bologna-Prozess hat viele positive Errungenschaften

Bologna ist schlecht und der Bachelor erfüllt die Anforderungen der Wirtschaft nicht - Eine Gegenrede des Vorsitzenden der Hochschule Bayern e.V.

Kommentar

[...] Die bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) haben es seit der Bologna-Erklärung von 1999 fertig gebracht, ein attraktives, stark nachgefragtes und qualitätsgesichertes Angebot an praxisorientierten Studiengängen aufzulegen. Jedes Studienangebot muss für die Genehmigung durch das Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst durch entsprechende Nachweise belegen, dass das Konzept arbeitsmarkttauglich und absehbar berufsbefähigend ist. Diese Bestätigung kommt in aller Regel von den Unternehmen, Verbänden und Kammern selbst. In den Kommissionen, die später bei der Akkreditierung bzw. der wiederkehrenden Reakkreditierung durch externe Agenturen mitwirken, sitzen Vertreter der Berufspraxis. Manche Hochschulen bzw. Fakultäten haben Wirtschaftsbeiräte und ähnliche Beratungsgremien eingerichtet, um kontinuierlich die Berufsbefähigung, die Bedarfsorientierung und den Praxisbezug sicherzustellen. Die Erwartungen der Arbeitgeber, von denen vorher die Rede war, fließen also kontinuierlich, detailliert und fachspezifisch in die Weiterentwicklung von Studienangeboten ein. Erwartungen jedoch, die zuvor keiner formuliert hat, bleiben zugegebenermaßen unberücksichtigt. Auch im Hochschulrat, dem höchsten Gremium einer Hochschule, das die Einführung von Studiengängen beschließt, finden sich Vertreter derjenigen, die später unsere Absolventinnen und Absolventen aufnehmen sollen. Haben alle diese Personen ihre Aufgabe nicht erfüllt? Wohl kaum.[...]

[...] Gerade die HAW haben den Bachelor zu einem ersten wirklich berufsqualifizierenden Abschluss entwickelt. Von der beschriebenen Unzufriedenheit merken sie nichts. Stattdessen sind sie nachgefragt wie nie zuvor. Die Behauptung, besonders der IT- und Medien-Bereich „täte sich schwer mit dem Bachelor“ (Der Tagesspiegel vom 23.04.2015) überrascht dabei besonders, sind es doch gerade diese Unternehmen, die heute Studierenden der Informatik mit  lukrativen Angeboten den Weggang von der Hochschule nach oder sogar noch vor dem Bachelorabschluss - sagen wir es höflich - leicht machen. Aber auch das ist eine freie, individuelle Entscheidung der Studierenden, genauso wie es die freie Entscheidung der Unternehmen ist, die Bewerber mit dem optimalen Profil auszuwählen und für sich zu gewinnen. An Auswahl, Vielfalt und Qualität mangelt es ja wohl nicht.

Prof. Dr. Michael Braun

Präsident der Technischen Hochschule Nürnberg und Vorsitzender der Hochschule Bayern e.V.

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