Mit einer Bewerbung zum Erfolg

Bei Simon Bolz hat es gleich auf Anhieb geklappt. Der 26-jährige Mechatronik-Student der Technischen Hochschule Nürnberg musste nur eine Bewerbung schreiben, um ins I.C.S. Fördermodell aufgenommen zu werden. Seitdem erhält er von Continental in Nürnberg ein monatliches Stipendium. In der vorlesungsfreien Zeit arbeitet er bei dem Automobil­zulieferer und sammelt Praxiserfahrung.

Die Voraussetzungen für die Bewerbung erwarb Simon Bolz in den ersten drei Semestern seines Bachelorstudiums. Denn um sich für das I.C.S. Förderprogramm zu qualifizieren, müssen Studierende überdurchschnittlich gute Studienleistungen vorweisen können. Erst dann können sie sich bewerben. Für Simon Bolz kein Problem: Er zählte zu den besten zehn Prozent seines Semesters. Also stellte er seine Bewerbungsunterlagen samt Lebenslauf und Abschlusszeugnis der Berufsoberschule zusammen und bewarb sich online über den I.C.S. Förderverein. Dieser setzt sich für „international cooperative studies“ – kurz I.C.S. – ein und hat zum Ziel, Studierenden den Berufseinstieg zu erleichtern. Daher bringt er ausgewählte Studierende und kooperierende Unternehmen bereits während der Studienzeit zusammen. Für Simon Bolz standen mehrere Unternehmen zur Auswahl. „Ich hätte mich auch noch bei anderen Firmen bewerben können. Aber ich habe meine Unterlagen nur bei Continental eingereicht“, erzählt der Student. Den Unternehmenssitz in Nürnberg hatte er bereits ein halbes Jahr zuvor bei einer Studienexkursion kennengelernt. Und vom Fertigungsprozess im Bereich Industrial Engineering war er von Anfang an begeistert. „Bei der Bewerbung hatte ich dann riesiges Glück“, findet Simon Bolz.
Wie bei einem dualen Studium mit vertiefter Praxis hat der 26-Jährige sein obligatorisches Praxissemester, das in seinem Studiengang vorgesehen ist, bei Continental verbracht. Darüber hinaus arbeitet er während der vorlesungsfreien Zeit im Unternehmen, um zusätzlich Praxiserfahrung zu sammeln. Von Continental erhält er im Gegenzug eine monatliche Vergütung, und ein Ansprechpartner steht ihm bei Fragen rund ums Studium und die Bachelorarbeit unterstützend zur Seite.

Phasenweise im Betrieb

Nachdem Simon Bolz die Zusage von Continental erhalten hatte, stand erst einmal eine Einarbeitungsphase an. Die absolvierte er in der vorlesungsfreien Zeit nach dem vierten Bachelorsemester. Sein anschließendes Praxissemester verbrachte er in der Abteilung Front-End-Engineering. Hier dreht sich alles um Leiterplatten – Träger für elektronische Bauteile, die in nahezu jedem elektronischen Gerät gebraucht werden. Bei dem Auto mobilzulieferer Continental ist er beispielsweise in Getriebesteuerungen, Parkassistenten oder Tempomaten eingebaut. „Ich fand es faszinierend, dass hier Bauteile fürs Auto auf kleinstem Raum und so präzise zusammengefügt und verarbeitet werden“, erinnert sich Simon Bolz. Bald konnte der Mechatronik-Student bereits eigenständig ein Projekt bei Continental übernehmen. „Ich habe unterschiedliche Firmen miteinander verglichen und geschaut, welche die für uns geeignetsten Maschinen haben, um auf unseren Leiterplatten möglichst kleine Klebestellen anzubringen.“ Recherchearbeiten gehörten für ihn dabei ebenso dazu wie Besichtigungen bei den Firmen vor Ort. Als Fazit trug er eine Auswahl in einer schriftlichen Empfehlung zusammen.
An vier Tagen die Woche arbeitete er an diesem Projekt oder half zwischendurch seinen Kollegen bei kleineren Ingenieurs-arbeiten. Am fünften Tag war er vom Unternehmen freigestellt und besuchte Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Nach dem Praxissemester ging es für den Mechatronik-Studenten wieder in Vollzeit an der Hochschule weiter. „Ich finde diese Aufteilung ganz gut. So habe ich während des Semesters den Kopf frei und kann mich aufs Studium konzentrieren. Sich nach der Arbeit noch einmal aufs Lernen zu konzentrieren, ist wesentlich anstrengender“, sagt Simon Bolz. Während der ersten zwei Semester lernte er unter anderem die Grundlagen in Mathematik, Physik, Konstruktion, Elektrotechnik, Technischer Mechanik und Informatik. Darauf aufbauend folgten in höheren Semestern Fächer wie Leiterplatten- und Mikroverbindungstechnik, Regelungs- und Fertigungstechnik und Mikrocomputertechnik. „Die Automobilbranche fand ich schon immer spannend. Außerdem ist Deutschland international genau dafür bekannt. Und ich wollte einfach ein Teil davon sein“, erzählt Simon Bolz über seine Motivation für das Studium.

Gekommen, um zu bleiben

Ursprünglich kommt Simon Bolz aus der Nähe von Bad Kissingen. Für das Bachelorstudium ist er nach Nürnberg gezogen – und auch in Zukunft will er hier bleiben. „Mir hat es von Anfang an hier gefallen. Das war ein weiterer Grund, warum ich unbedingt zu Continental wollte. Da hat für mich einfach alles gepasst: Fachlich finde ich die Arbeit interessant und die Stadt ist super.“ Seine Bachelorarbeit hat der 26-Jährige im siebten Semester ebenfalls bei Continental geschrieben und erfolgreich abgeschlossen. Sein Thema bezog sich auf die Kontrolle der Leiterplattenproduktion. Theoretisches Hintergrundwissen aus dem Studium brachte er hier mit praktischen Arbeiten im Betrieb, wie etwa Messungen, zusammen. „Mit meinem Betreuer bei Continental konnte ich mein Thema für die Bachelorarbeit durchsprechen. Das war ein großer Vorteil für mich.“
Mittlerweile befindet er sich im ersten Mastersemester und wird weiterhin von Continental gefördert. Hier steht für ihn auch wieder eine Mischung aus betrieblichem Aufenthalt und Studium an der Hochschule auf dem Programm. „Auch ins Ausland würde ich gerne noch einmal für eine Weile gehen. Amerika wäre mein Wunschziel. Aber da in der Automobilbranche viel über Asien läuft, könnte ich mir auch das für ein paar Monate vorstellen“, sagt Simon Bolz.

Quelle: dipolo Metropolregion Nürnberg 2014/15, www.dipolo.de